Der Schiedsrichter der Seniorenmeisterschaft in Eberswalde

von Norbert Heymann

Der Schiedsrichter des Turniers war der bekannte Schachspieler Klaus Trautmann aus Frankfurt (Oder), der auch als Buchautor nicht unbekannt ist. Gegenwärtig schreibt an einem Arbeitstitel - Aus den Niederungen des Schachvolkes -. Ein neues Kapitel könnte seine Leistung als Schiedsrichter bei der diesjährigen Senioreneinzelmeisterschaft vom 29.9.2011 - 7.10.2011 in Eberswalde werden. In der 2. Runde machte ich aus Versehen mit der Dame einen falschen Zug, den ich nicht bemerkte. Mein Gegner war nicht am Brett. Ein anderer Spieler des Turniers stand am Tisch und bemerkte meinen falschen Zug. Er ging sofort zu meinem Gegenspieler und unterrichte ihn; er ging nicht zum Schiedsrichter, wie es die Regel vorschreibt. Andere Spieler wurden durch ihn auch unterrichtet. Ich habe meinen Fehlzug inzwischen selbst bemerkt und bin sofort zum Schiedsrichter gegangen und habe ihn um Regelung gebeten. Das Verhalten des Zuschauerspielers war bewusst gehandelt und stellt einen groben Verstoß des § 13.7 (a) der FIDE-Regel dar - er wurde vom Schiedsrichter nicht geahndet. Am Tag darauf spielte ich gegen den Spieler, der sich am Tag zuvor fehlverhalten hatte. Wie es so im Leben zugehen kann, passierte mir ein Missgeschick. Mein Handy war ausgeschaltet in meiner Brusttasche. Während der Partie kam ich mit der Brust an die Tischkante und schaltete dadurch das Betriebssystem ein mit einem Ton. Mein Gegenspieler ging sofort zum Schiedsrichter und meldete den Vorfall. Der Schiedsrichter kam an den Spieltisch. Ohne ein Wort mit mir zu sprechen, legte er meinen König um und gab die Partie für mich verloren. Als ich ihn um ein Wort bitten wollte, sagte er, dass meinetwegen die Regel (§ 12.3) nicht geändert werden wird. Am nächsten Morgen bat ich den Schiedsrichter vor Beginn der 4. Runde vor den Spielern sich zu erklären, dann wäre der Fall für mich erledigt. Das lehnte der Schiedsrichter ab. Für mich gibt es folgendes Fazit: Ich stehe zu meinem Fehler, der mir aus Versehen passiert ist. Ich akzeptiere jedoch nicht das Verhalten des Schiedsrichters zu beiden Vorfällen. Ein Schiedsrichter seines Ranges muss Verhältnismäßigkeit und weitgehende Objektivität anwenden. Wir Schachspieler wissen aus unserer Erfahrung mit dem königlichen Spiel, dass dabei die gewünschten Grenzen schwer zu erreichen sind; Ausgewählte, z.B. Schiedsrichter haben aber bei ihrer Aufgabe, über Fehler von Spielern zu richten, immer spürbar vom Wissen um die Dinge auszugehen und sollten bei seiner Auswahl und Zulassung auch geeignete Eigenschaften vorweisen. Mit meiner Auffassung finde ich Zustimmung bei einer Reihe von Turnierteilnehmern, mit denen ich darüber gesprochen habe.
Wolfgang Anlauf, SCS Cottbus

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