Fernschach: Nachwuchstalent Mätzkow eröffnet defensiv

von Norbert Heymann

Für die dritte Fernschach-Runde hat die JVA-Mannschaft wieder einen vergleichsweise nahen Gegner gefunden. Kontrahent der ersten Doppelpartie, jeder spielt eine mit Schwarz und eine mit Weiß, war 2014 der Berliner Großmeister Robert Rabiega. Ihm mussten sich die Gefangenen mit 0,5-1,5 geschlagen geben. In der zweiten Partie im vergangenen Jahr zog man gegen den Südpolforscher Robert Schwarz zu Brette. Das Geisteskräftemessen mit dem Außenposten Antarktis gewann die JVA mit 1,5-0,5.
Mit 14 Jahren DSB-Kaderspieler
Heuer geht es zurück nach Deutschland. Der Gegner ist diesmal ein Nachwuchstalent: Der 14 Jahre alte Maximilian Mätzkow aus Eberswalde in Brandenburg. Nach Spielstärke dürfte Maximilian den JVA-Schachfreunden überlegen sein. Er ist DSB-Kaderspieler beim ESV Eberswalde und hat einen Freiplatz für die Deutsche Jugend-Einzelmeisterschaft in Willingen erhalten.
Schwarmintelligenz gegen Brillanz
Die JVA-Mannschaft hat dagegen zwei andere Vorteile: Sie kann mit vereinten Kräften ziehen, sozusagen Schwarmintelligenz gegen Maximilians Brillanz setzen. Außerdem besitzen die Gefangenen Erfahrung mit Fernschach. Für Maximilian ist diese Disziplin dagegen Neuland. Und wenn die JVA-ler verlieren sollten, dann können sie sich immer noch damit trösten, dass sie einem Nachwuchstalent beim Sammeln von Erfahrung in einer für ihn ungewohnten Disziplin geholfen haben. Wenn man die Perspektive etwas weitet, kann es in diesem Fernschachduell nur Gewinner geben.
Hier der bisherige Stand der Partien:
Maximilian Mätzkow - JVA Straubing
Max Mätzkow spielt die Französische Verteidigung in der Abtauschvariante (C 01): 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.exd5 exd5 5.Ld3 Sc6 6.a3
Laut Theoriebüchern wird sie vor allem von schwächeren Spielern eingesetzt, um gegen stärkere ein Remis zu erzielen: Die symmetrische Bauernstellung und die offene e-Linie lähmen das Spiel. Hat Mätzkow solchen Respekt vor der JVA-Mannschaft? Oder täuscht er den Respekt nur listenreich vor, um seine Gegner in selbstgefälliger Sicherheit zu wiegen? Mehrere Großmeister (GM) gelten als Spezialisten für diese defensive Eröffnung, unter anderem Ex-Weltmeister Garri Kasparow.
JVA Straubing - Maximilian Mätzkow
Die JVA hat sizilianisch eröffnet, und zwar in der Alapin-Variante (B 22): 1.e4 c5 2.c3 Sf6 3.e5 Sd5 4.d4 cxd4 5.Sf3 Sc6 6.Lc4 Sb6
Auch GM verwenden diese Zugfolge in aktuellen Turnieren. Ein international bekannter Sizilianisch– und Alapin-Spezialist ist der 66 Jahre alte russische GM und Schachtheoretiker Jewgeni E. Sweschnikow.
Quelle: Kleine Schachpost - Mai 2016 - Justizvollzugsanstalt Straubing
Nach Informationen von Christian Mätzkow.

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 3.