Fernschach
von Norbert Heymann
Das Fernduell mit Maximilian Mätzkow, einem überaus talentierten deutschen Nachwuchsspieler, hat uns mindestens so geehrt wie gefreut. Trotz seiner Jugend von knapp 16 Jahren kann Maximilian bereits auf etliche Erfolge zurückblicken, wie beispielsweise den Gewinn der U16-Meisterschaft. Wir waren also vorgewarnt. Um das Pferd von hinten aufzuzäumen: Er spielte bärenstark. Technisch von einer erstaunlichen Reife, sicher in der Eröffnung, schnörkellos in der Entwicklung und fast fehlerfrei bis zum Ende. Ich denke, wenn er weiter eifrig bei der Sache bleibt und seinen Enthusiasmus behält, kann er mal ein Großer werden. Die Normen für die entsprechenden Titel wird er bald eingefahren haben. Zwei Partien standen an. In der ersten hatte die SG-JVA Weiß. Wir spielten einen Sizilianer - die so genannte Alapin-Variante, um dem Theoriewust etwas zu entgehen. Leider verloren wir erst einen Bauern, dann die Übersicht und zuletzt auch die Partie. Zunächst gingen wir aber mit einem Minusbauern in ein Springerendspiel, das vielleicht zu halten gewesen wäre. Unser Gegner zeigte uns jedoch gleich auch, wie mühelos Schach zu spielen wäre, wenn man es richtig beherrschte. Schwarz zog und wir waren im Endspiel faktisch patt, weil wir keine vernünftigen Züge mehr im Halfter hatten. Diese Lektion war brillant erteilt und verdient unsere Hochachtung.
In der zweiten Partie hatte unsere Schachgemeinschaft Schwarz. Wir erwiderten mit e4, Französische Verteidigung. Diese neigt zu Remis bei beidseitig fehlerfreiem Spiel. Weiß übernahm die Führung mit gemäßigtem Druck. Wie oben erwähnt, war unsere Hoffnung auf einen Fehler des Gegners übertrieben. Wir dagegen kamen Maximilians Hoffnung, sollte er sie überhaupt gehegt haben, nach einem Fehlgriff unsererseits leider alsbald nach. Als wir nämlich leichtsinnig einen Bauern einstellten, wurde es schwer. Wir erfuhren schmerzlich, wie verhängnisvoll sich ein Minusbauer auswirken kann - wie in der ersten Partie konnten wir die Stellung kaum mehr halten. Der Gegner verbesserte Zug um Zug jedoch die seine. Dann unterlief ihm aber unversehens ein Malheur und er stellte die Partie ein. Wir bedauern dies aufrichtig, weil er es hier verdient hätte zu gewinnen. Wir bedanken uns bei Maximilian, dass er sich zur Verfügung gestellt hat, hoffen, dass er auch ein wenig Spaß mit uns hatte und wünschen ihm von ganzem Herzen alles Gute, garniert mit noch vielen Erfolgen.
Schachgemeinschaft der JVA - Maximilian Mätzkow
1.e4 c5 2.c3 Sf6 3.e5 Sd5 4.d4 cxd4 5.Sf3 Sc6 6.Lc4 Sb6 7.Lb3 d5 8.exd6 Dxd6 9.0–0 Le6 10.Lxe6 Dxe6 11.Sxd4 11.cxd4 wäre vielleicht besser gewesen. 11.- Sxd4 12.Dxd4 Td8 13.Db4 Dc6 14.a4 Td5 15.De4 e6 16.b3 Le7 17.c4 Td8 18.Dxc6+ dieser Tausch ist im Nachhinein gesehen fragwürdig, weil er Schwarz die b-Linie öffnet. 18.- bxc6 19.a5 Sd7 20.Le3 Lc5 21.Lxc5 Sxc5 22.b4 Sb3 23.Ta3 Sd4 24.Sc3 Sc2 25.Tb3 Td3 26.Td1 26.Tc1 wäre zu überlegen. Weiß hat seine Stellung zu optimistisch eingeschätzt. Schwarz hat zwar Entwicklungsrückstand, aber auch alles im Griff. 26.- Txd1+ 27.Sxd1 Ke7 28.b5 Sd4 29.Tb2 cxb5 30.cxb5 Tb8 Fantastisch gespielt von Schwarz. Seine Position unmerklich verbessernd, wird er folglich einen Bauern gewinnen. 31.b6 axb6 32.axb6 Kd6 33.Se3 Kc5 34.b7 Sc6 35.Tc2+ Kb6 36.Sc4+ Kxb7 37.Tb2+ Kc7 38.Txb8 Sxb8 39.g3 Weiß hoffte hier noch, das Springerendspiel mit einem Minusbauern zu halten, aber Schwarz enttäuschte diese Hoffnung technisch so fehlerlos wie eiskalt. 39.- Sd7 40.Kg2 Sb6 41.Se5 f6 42.Sd3 Kd6 43.h4 e5 44.f3 Weiß versucht eine Art Festung zu errichten. 44.- Kd5 45.Kf2 Kd4 46.Ke2 Sd5 47.Se1? und nach diesem unbedachten Zug ist die Stellung verloren. 47.Sc1 wäre noch eine Möglichkeit. 47.- h5 48.Sc2+ Kc4 49.Se1 Sb4 50.g4 g6 51.Ke3 f5 0:1 Fazit: In Zugzwang musste Weiß aufgeben, weil Schwarz sehenswert aufspielte. Der hochverdiente Sieg folgte schwarzer Klasse.
Maximilian Mätzkow - Schachgemeinschaft der JVA
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.exd5 exd5 5.Ld3 Sc6 6.a3 Lxc3+ 7.bxc3 Sge7 8.Sf3 Lf5 9.0–0 0–0 10.Te1 Te8 11.Lf4 Lxd3 12.Dxd3 Dd7 13.Tab1 b6 14.c4 Ein starker Zug, den Schwarz unterschätzt hat. 14.- dxc4 15.Dxc4 Sd5 16.Lg3 Sf6 17.Se5 Sxe5 18.dxe5 Sd5 19.Tbd1 c6 Scheinbar ist alles im Lot. Doch in Wahrheit wackelt das schwarze Konstrukt! 20.Td4 Weiß spielt weiter druckvoll. 20.- De6 21.Dd3 b5 22.c4 bxc4 23.Txc4 Schwarz hat zwar einen Freibauern, aber als Isolani. 23.- Sb6 24.Tc5 Ted8 25.Dc2 Tac8 26.f4 Td5 Schwarz erstrebt durch das Abtauschen der Türme etwas Druck aus der Stellung abzulassen. 27.Lf2 Txc5 28.Lxc5 Dc4 29.Dxc4 Sxc4 30.Tc1 Sb6 31.g3 g6 32.Kg2 Sd7 Und schon wieder ein Bauer - durch Leichtsinn! 33.Lxa7 c5 34.Tb1 Kf8 35.Tb7 Ke8 36.Kf3 Mühelos marschiert Weiß in die schwarze Stellung. 36.- c4 37.Ke2 c3 38.Kd1 c2+ 39.Kc1 Das war´s für Schwarz. 39.- Tc3 40.a4 Ta3 41.Tb4 Ta2 42.Ld4 h5 43.Lb2 und der zweite Bauer wird erobert. Tja! 43.- Sc5 44.Kxc2 Kd7 45.Kb1 Txa4 46.Ld4?? Weiß stellt mit diesem Zug sowohl eine Figur als auch seine Gewinnchancen ein. Schade - er war klar auf der Siegesstraße. 46.- Txb4+ 47.Lb2 Sa4 48.Ka2 Txb2+ 49.Ka3 Txh2 50.Kxa4 Tg2 51.Kb4 0:1 Fazit: Weiß war der bessere Spieler. Ich denke, er hatte etwas vorbereitet und dabei irgendwie, irgendwo einen Zug vergessen. Sieg ist zwar Sieg, doch hätten Weiß die Lorbeeren ebenso gut gestanden. (jh)
Quelle: Kleine Schachpost - Justizvollzugsanstalt (JVA) Straubing - Juli / August 2017
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