Landesforum Breitensport und Sportentwicklung
von Norbert Heymann
Am 24. März 2007 fand in Potsdam mit 98 Teilnehmern diese Veranstaltung unter dem Motto „Demografischer Wandel in Brandenburg – Folgen für die Sportentwicklung – Strategien und Handlungsfelder, Projekte und Maßnahmen“ statt. Der Landesschachbund Brandenburg wurde vom 1. Vizepräsidenten vertreten. Schnell wurde deutlich, dass die Überalterung der Gesellschaft auch am Sport nicht spurlos vorübergeht. Es gibt verlässliche Berechnungen, nach denen im Jahr 2020 jeder vierte Brandenburger über 65 sein wird und nur noch 10 % unserer Bevölkerung das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Erweitert man das Zeitfenster, so wird die Brandenburger Einwohnerzahl im Jahr 2050 um 800.000 zurück gegangen sein. Vorboten zeigen sich schon jetzt; so gehen kontinuierlich im Brandenburger Sport die Mitgliederzahlen in den Bereichen der 7 bis 18-Jährigen und der 26 bis 40-Jährigen zurück. Auch wenn der Schachsport hier ein Trendbrecher ist, so soll dies doch nicht darüber hinweg täuschen, dass auch wir vor neuen Herausforderungen stehen. Das Umdenken im Landessportbund – stärkerer Fokus auf den vereinsgebundenen Breiten- und Freizeitsport – ist bereits weit fortgeschritten. Ein weiteres, erschreckendes Bild zeichnet sich in den Mitgliederentwicklungen ab, wenn diese auf die Ebene der Stadt- und Kreissportbünde gehoben wird. Die Randgebiete liegen hier nicht nur geografisch am Rand! Dies geht im Kreis Elbe-Elster sogar so weit, dass sich drei völlig unterschiedliche Vereine (Freiwillige Feuerwehr, Gesangs- und Sportverein) unter einem Dach zusammen finden. Nur noch ein Vorstand, nur noch eine Satzung, nur noch eine Kasse. Man hat dort positive Erfahrungen damit gemacht. Doch dies vielleicht auch nur, weil sich vernünftige Leute zusammen gesetzt haben, von denen nicht jeder auf einem Egotrip ist. Denn schließlich gibt es viel zu viele Vereine (auch Schachvereine!), in denen der Vorsitzende ein kleiner König ist. Sehr positiv ist hingegen die Mitgliederentwicklung in den Bereichen Mädchen/Frauen, Kinder im Vorschulalter und Senioren. Interessanterweise führen eine vermehrte Öffentlichkeitsarbeit und Werbemaßnahmen nicht zwangsläufig zu mehr Vereinsmitgliedern. Gerade bei Randsportarten in ländlichen Gebieten ist die Klientel einfach schon „abgegrast“. Anders verhält es sich in den mittleren und größeren Städten Brandenburgs. Hier gibt es auch für den Schachsport vielfach noch sehr viel brachliegendes Potential. Die Bildung von Spielgemeinschaften zwischen Vereinen einer Sportart stößt dagegen auf viel, sehr viel, Skepsis. Im Frauensport und Sport bei der U 10 mag dies Sinn machen. Im Bereich der älteren Jugendlichen und Erwachsenen wird damit fast ausschließlich die Faulheit und Inkompetenz der Funktionäre bemäntelt. Keine Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung, keine Werbemaßnahmen, keine Öffentlichkeitsarbeit und wenn der Verein überaltert, wird mit Spielgemeinschaften ein nicht allein lebensfähiges Gebilde künstlich beatmet. Viel größeren Erfolg bei der Mitgliedergewinnung haben spezielle Angebote für Zielgruppen, und natürlich Kooperationen mit anderen Sportarten. Z.B. Schach + Laufen, Schach + Tischtennis, Schach + Radfahren. Brandenburg liegt über dem Bundesdurchschnitt, was das Reagieren auf den Demografischen Wandel betrifft - 76 % aller Vereine sind bereits hier aktiv. Nach den unserem Präsidium vorliegenden Informationen ist diese Zahl nahezu deckungsgleich mit den Schachvereinen, die bereits reagieren. Ein paar Schlafmützen gibt es überall....
Viel verspricht sich der Landessportbund vom Ganztagsschulangebot. Es gibt 235 Ganztagsschulen und die Chance des Angebots von Neigungsunterricht war bereits Thema unserer Kreistag im letzten Monat. Hier sind die Schachspieler auf jeden Fall vorn mit dabei!
Auch gewinnt ein Verein immer mehr Bedeutung als soziale Begegnungsstätte. Nicht nur in den Randgebieten, wo das Sport- und Kulturangebot vielleicht nicht ganz so üppig ist. Immer wichtiger werden für den Landessportbund auch die Übungsleiter. Und hier nicht nur die reine Wissensvermittlung in Bezug auf die jeweiligen Sportarten. Vorbildwirkung, Wertevermittlung, Anerkennung von Autorität sollen künftig stärker in der Ausbildung heraus gestellt werden. Die vom Landessportbund angestrebte Anhebung des Freibetrages für Übungsleiter auf 2.100 EUR tut sicher ein übriges, um die Arbeit der lizensierten Übungsleiter attraktiver zu machen.
Norbert Heymann
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