Taktisch klug, sportlich erfolgreich
von Norbert Heymann
Ganze sechs Prozent der Mitglieder im Deutschen Schachbund sind weiblich. Anders beim SV Chemie Guben - hier sind rund 30 Prozent Frauen und Mädchen. Und sie spielen seit 20 Jahren ununterbrochen auf Bundesliganiveau! Immerhin 14 Spielerinnen sind für eine eigenständige Frauenmannschaft in der Bundesliga erforderlich. Mit einem Altersdurchschnitt von 22 Jahren ist das Gubener Frauenteam gut aufgestellt. Unermüdliches ehrenamtliches Engagement der Übungsleiter und der Schachsportlerinnen zur Nachwuchsförderung sowie Einsatz für die schachsportliche Ausbildung an Schulen und Kindergärten in Guben und Umgebung in den vergangenen 30 Jahren sind das Geheimnis des Erfolgs. Vom Einstieg in den Schachsport bis zur Bundesligareife dauert es rund zehn Jahre. Die Abwanderung durch Studium und Arbeit ist in Guben groß, dennoch halten viele Schachsportlerinnen ihrem Bundesligateam solange wie möglich die Treue und nehmen für gemeinsame Wettkampfpartien weite Reisewege auf sich. Diesen Standortnachteil ausgleichen soll die Zusammenarbeit mit der polnischen Nachbarstadt Gubin. Die heutige Spitzenspielerin Großmeisterin Barbara Jaracz nahm als Zehnjährige mit dominantem Erfolg am ersten internationalen Schachtreff in Guben teil. Wenige Jahre später wurde sie Stammspielerin im Gubener Bundesligateam. Die Gubenerinnen rangieren seit 20 Jahren im Mittelfeld der 36 leistungsstärksten Frauenteams Deutschlands, im Bereich zwischen Auf- und Abstieg, 1. und 2. Bundesliga. Die aktuelle Saison bestreiten sie in der 2. Bundesliga. Im Jahr kommen für die Frauen 60 bis 100 Wettkampfpartien zusammen, mit zum Teil weiten Reisen und mehreren Übernachtungen - gerade für Frauen mit Kindern eine Herausforderung für die Organisation des Alltagslebens.
Harry Thiel
Quelle: Bundesburgisches Sport-Journal 12/09 & 1/10
Zeitschrift des Landessportbundes Brandenburg e.V.
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